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Der Traum vom Fliegen beginnt in der Werkstatt Drucken E-Mail

thumb_werkstatt.jpgFlugsport: Jeden Freitagabend schuften die Mitglieder des FSV Herrenberg gemeinsam an den Flugzeugen

Gar nicht so einfach, die Übersicht zu behalten. Wenn man die Tür zur Werkstatt des Flugsportvereins Herrenberg öffnet, steht man mittendrin im Gewusel. Es wird gehämmert, poliert, gesaugt, gestrichen - Geräusche und Gerüche überfluten die Sinne. Martin Nuoffer hat das scheinbare Chaos im Griff. Der Technische Leiter des Clubs koordiniert die Werkstattarbeiten. "Zwischen Oktober und März schleusen wir die Flugzeuge hier durch. Wir sind auf der Zielgeraden.Vom Discus ist nur noch ein Flügel in der Werkstatt. Aber die ASK23 ist komplett da, die hat heute ihren ersten Abend", sagt er mit einem Grinsen.

An diesem Freitag schwirren um die 15 Mitglieder durch den Raum, in dem problemlos ein ganzes Segelflugzeug Platz findet. Ausbildungsleiter Rainer Braitmaier poliert mit zwei Flugschülern gerade hingebungsvoll einen Flügel. Marc Schmid und Christian Eckert lassen den Lappen mit Politur  immer wieder über die eigentlich schon strahlend weiße Oberfläche gleiten. Ein paar Meter weiter sticht leuchtendes Rot ins Auge.Der Geruch von frischer Farbe kriecht in die Nase. Chris Hiller, Max Kassera und Wolfgang Horst streichen die Schutzgitter des Seilwinden-LKWs. Martin Nuoffer bemerkt den faszinierten Blick sofort. "Der ist 1982 in der Lehrwerkstatt von Daimler in Sindelfingen gebaut worden", lässt er den staunenden Besucher nicht ohne Stolz wissen. Ein 320 PS starker Dieselmotor zieht die Flieger in die Luft. Das Schmuckstück ist heute gerade aus der Werkstatt gekommen. „Wir hatten einen Lagerschaden an der Wasserpumpe. Das haben wir machen lassen. Das war uns zu heiß“, sagt Nuoffer. Normalerweise erledigen die Flieger die Reparaturen an der Winde in Eigenregie.

Im Verein ist das technische und handwerkliche Können für fast alle anfallenden Aufgaben vorhanden. Für Alexander Sattler war das Fertigen der neuen Holzböcke nicht mehr als eine Fingerübung. Anna Keim und Simone Bauer verkleiden sie gerade mit Teppich. Damit die Flügel schön weich liegen. Sattler ist Schreiner und bei weitem nicht der Einzige im Verein, der seine beruflichen Fähigkeiten einbringt. „Wir haben unter anderem auch Lackierer und Dreher“, sagt der Werkzeugmacher-Meister Nuoffer. Alle
Profis auf ihrem Gebiet. „Metzger und Bäcker könnten wir noch gebrauchen“, meint der Werkstatt-Chef mit einem Augenzwinkern. Die nächste Flugplatz-Hocketse
kommt bestimmt.

Doch vor dem Feiern steht die Arbeit. Und davon haben die Herrenberger Flugsportler noch jede Menge. Zum Beispiel Katja Gießen. Ein wenig abseits des geschäftigen Treibens kontrolliert und faltet sie gewissenhaft einen der 14 Rettungsfallschirme des Vereins. Das darf nicht jeder. Dafür braucht man schon eine Lizenz. Rund eine Dreiviertelstunde dauert die aufwendige Prozedur. Alle vier Monate müssen die Notfallhelfer überprüft werden. „Bei uns fliegt niemand ohne“, sagt Martin Nuoffer. Zum Einsatz kamen die Fallschirme noch nie. Fertig. Katja Gießen verpasst dem Schirm
eine Plombe mit ihrer Lizenznummer. Der Nächste bitte.

Wenn alle Arbeiten an einem Flugzeug erledigt sind, dann kommt das Luftfahrtbundesamt ins Spiel. Alle Geräte werden einmal im Jahr abgenommen. Wie praktisch, dass der FSV einen Prüfer im Verein hat. Martin Nuoffer hat die nötige Lizenz. In der Regel bereiten die beiden Segelflugwarte Daniel Pape und Holger Ankert die Flugzeuge vor, Nuoffer nimmt sie dann ab. „Das dauert rund eine
Stunde, der Papierkram danach eher zwei“, erklärt der Technische Leiter des FSV. Er greift nach einem dicken Ordner. „Jedes Gerät hat eine eigene Lebenslaufakte“, erklärt Nuoffer. Lückenlos werden alle Maßnahmen am Flugzeug dokumentiert. „Bei einem Auto kann es vorkommen, dass man die Katze im Sack kauft. Das kann einem bei einem Flugzeug nicht passieren“, so Nuoffer. Rund 25 Flugzeuge des FSV und anderer Vereine aus der Region müssen im Jahr seinem kritischen Blick
standhalten.

Der schweift jetzt prüfend durch die Werkstatt. Für diesen Abend ist das Arbeitspensum fast geschafft. Die fleißigen Helfer gehen langsam aber sicher zum gemütlichen Teil über. Mit einem Bier anstoßen, noch ein wenig plaudern. Die Werkstattabende sind nicht nur zum Schaffen da. Geselligkeit wird bei den Fliegern wie in jedem anderen Verein groß geschrieben. „Wenn wir gut im Rennen sind, dann wird nach der Arbeit auch mal ein Film geschaut“, erzählt Nuoffer. „Apollo 13 zum Beispiel.“ Das macht Lust, selbst wieder in die Luft zu gehen. Irgendwann in den kommenden Wochen wird es so weit sein. Dann schmeißen sie auf dem Poltringer Flugplatz den 320 PS starken Seilwindenmotor an und lassen sich nach oben ziehen. Auch dafür haben die Herrenberger Flieger
monatelang jeden Freitagabend in ihrer Werkstatt geschuftet.
ROBERT STADTHAGEN

Bericht im Gäubote vom 02. 03.2010

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. März 2010 um 11:28 Uhr
 
METAR / TAF
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2012/05/18 13:50 EDDS 181350Z 32005KT 270V330 CAVOK 20/10 Q1010 TEMPO SHRA
TAF:
2012/05/18 12:27 TAF EDDS 181100Z 1812/1912 20004KT 9999 SCT040 TEMPO 1812/1821 SHRA SCT025TCU PROB30 TEMPO 1817/1821 4500 TSRA BKN014CB TEMPO 1900/1906 3000 BR BKN008 BECMG 1907/1909 09007KT
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